Zwischen Freude und Verzweiflung
Die finanzielle Hilfe ist eine vorrangige. Wenn diese gesichert sei, sagt Monika Holtkamp, könnten sich die Frauen endlich darüber freuen, dass sie ein Kind erwarteten. Die Beraterin beim Sozialdienst katholischer Frauen e.V. in Dülmen hat schon viele werdende Mütter weinen sehen – aus Freude darüber, dass das werdende Leben in ihrem Bauch nun wachsen darf.
Viele der Frauen, die zu uns kommen, sind ungeplant schwanger, manche noch in der Ausbildung. Für sie ist unklar, wie ihre Lehre weitergehen soll. Oder sie haben befristete Arbeitsverträge, die wegen der Schwangerschaft nicht verlängert werden. Die Frauen stehen vor der Frage: "Kann ich mir ein Kind erlauben, wenn ich arbeitslos bin? Von was lebe ich dann?" Genauso häufig sind auch Paarprobleme die Ursache für die Notlage: Die Beziehung ist nicht stabil. Die Bedingungen, ein Kind zu bekommen, erscheinen schlecht. Ein großer Teil der Frauen haben auch schon ein oder mehrere Kinder. Für sie stellt sich die Frage, ob und wie sie die persönlichen und finanziellen Folgen eines weiteren Kindes tragen können.
Zunächst gilt es, alles zu sortieren im Leben. Fast immer sind es unter anderem finanzielle Probleme. Meist reicht das Geld jetzt gerade so eben oder es haben sich schon Schulden angehäuft. Beziehungsprobleme sind ebenso oft ein gewichtiger Punkt. Viele Frauen fühlen sich mit ihren Problemen und Sorgen sehr allein, sie haben nur wenig Unterstützung durch den Partner, die Familie, Freunde oder das soziale Umfeld Wenn sie in dieser Situation schwanger sind, stellt sich für sie die Frage: "Wie soll das jetzt gehen?" ![]() Monika Holtkamp
Sie sind insgesamt sehr belastet. Die finanzielle Unsicherheit spielt eine große Rolle. Vor allem nach Inkrafttreten des Hartz IV-Gesetzes war das deutlich zu spüren, weil die meisten, die zu uns kommen, davon betroffen sind. Zudem fehlt vielen dieser Frauen ein "soziales Netz", eine Familie oder Freunde, bei denen sie Unterstützung erfahren. Sie fühlen sich mit der Schwangerschaft dann sehr an ihre persönlichen Grenzen gebracht.
Es gibt kaum eine, die sagt: "Ein Kind! Das geht jetzt überhaupt nicht!" Der größte Teil der Frauen kommt mit der Frage: "Wie kann ich das schaffen? Wo gibt es Unterstützung?"
Erstens sollen Frauen hier den Raum finden, über das zu reden, was in ihrem Leben schwierig ist oder überhaupt nicht läuft und wofür auch die beste Freundin oder der Partner kein freies Ohr hat. Das ist schon wertvoll und verhilft zu einer klareren Sicht. Zweitens gilt es, Perspektiven zu entwickeln. Oft erst ganz kurzfristige und pragmatische. Danach aber langfristige Strategien zur persönlichen Lebensführung. Dazu gehört auch, Möglichkeiten in Erwägung zu ziehen, die ich persönlich nicht für gut halte. Konkret: Es muss in der Schwangerschaftsberatung unter Umständen auch über die Folgen eines Abbruchs geredet werden dürfen, selbst wenn wir als Beraterinnen den Schutz des ungeborenen Lebens in besonderer Weise in den Vordergrund stellen. Viele Frauen machen sich erst hier klar, wie das Leben nach einer Abtreibung aussähe! Einige kommen mit der Hoffnung, das Leben gehe nahtlos weiter wie vor der Schwangerschaft. Aber das tut es ja nicht. Wenn ihnen in der Beratung klar wird, dass das Leben danach nicht so weiterläuft, als sei nichts gewesen und sie spüren, sie erhalten Unterstützung, sind nicht allein mit ihren Problemen und Sorgen, ist das ein großer Schritt.
Ja! Für viele ist es eine enorme Erleichterung, wenn wir ihnen aufzeigen können, dass es Möglichkeiten gibt, das Kind zu kriegen. Trotz ihrer scheinbar ausweglosen Situation. Eine Frau saß hier einmal eine halbe Stunde lang und weinte, nur aus Erleichterung und Freude darüber, dass die Geburt ihr plötzlich trotz finanzieller Probleme möglich erschien. Neben eigenen Ängsten ist die gesellschaftliche Erwartung, ein Kind erst dann zu kriegen, wenn alles in klaren, sicheren Bahnen verläuft und das Eigenheim gebaut ist, sehr belastend. Häufig ist es auch der Mann, der sagt: "Das Kind oder ich!"
Die finanzielle Hilfe, allein nur die Aussicht auf die Finanzierung der teuren Babyausstattung, macht es den Frauen leichter, sich für das Kind zu entscheiden. Häufig kann auch die Kaution für die Mietwohnung übernommen werden. Oder Miet- oder Stromschulden, die der Frau die Angst nehmen, jede Minute könne ihr der Strom abgedreht werden oder sie steht ohne Wohnung da. Wenn diese Sorgen weg sind, kann man sich auf das konzentrieren, was sonst noch im Leben dieser Frau, dieser Familie fehlt. Und es ist vor allem Raum da, sich endlich zu freuen, dass ein Kind unterwegs ist…
Nach Klärung der finanziellen Lage stellen wir Anträge auf finanzielle Unterstützung. Jene bei der Bundesstiftung haben das Problem, dass sie nur das Einkommen berücksichtigen. Das hilft leider etwa Frauen nicht, die zwar ein relativ ordentliches Einkommen haben, jedoch Schulden abbezahlen müssen, beispielsweise weil sie gebaut oder sich selbständig gemacht haben. Außerdem sind diese Mittel sehr begrenzt. Daher ist es gut, dass wir neben den Mitteln des Bistums auch noch die Gelder der Bischof Heinrich Tenhumberg-Stiftung haben. Damit können wir auch in den Situationen finanzielle Hilfe anbieten, in denen bei anderen Beratungsstellen keine Hilfe mehr möglich ist.
Das ist für viele Frauen eine positive Überraschung! Einige machen zum ersten Mal die Erfahrung, dass ihnen hier jemand helfen will, ganzheitlich ihr Leben zu sortieren. Sie nehmen das Angebot dankbar an. Das sieht man an den durchschnittlich sieben Beratungsgesprächen pro Klientin. So lange kann man gar nicht über Geld reden. Wichtig ist für viele Frauen auch, dass wir sie beraten und begleiten können, bis das Kind 3 Jahre alt ist. Sie haben die Sicherheit, dass sie auch nach der Geburt des Kindes nicht alleine sind. |


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